Tinnitus durch Verspannungen und Triggerpunkte: Wie Nacken und Kiefer das Ohrgeräusch beeinflussen können
Woran du eine muskuläre Beteiligung erkennen kannst und welche Behandlung sinnvoll sein kann
Du drehst den Kopf zur Seite und plötzlich wird das Pfeifen im Ohr lauter.
Du presst die Zähne zusammen und bemerkst, dass sich die Tonhöhe verändert.
Oder du wachst morgens mit einem angespannten Kiefer auf und hast gleichzeitig das Gefühl, dass dein Tinnitus an diesem Tag besonders aufdringlich ist.
Solche Beobachtungen sind nicht automatisch eingebildet.
Bei einem Teil der Menschen mit Tinnitus können Signale aus Kiefer, Nacken, Halswirbelsäule und Schultermuskulatur die Wahrnehmung des Ohrgeräuschs beeinflussen.
In der Fachliteratur wird dafür häufig der Begriff somatosensorischer Tinnitus verwendet.
Dabei kann sich das Geräusch durch Bewegungen, Muskelanspannung oder Veränderungen im Kiefer und Nackenbereich vorübergehend verändern.
Das bedeutet jedoch nicht, dass jede Verspannung einen Tinnitus verursacht.
Es bedeutet auch nicht, dass sich jedes Ohrgeräusch durch Massage, Dehnung oder Druck auf einen bestimmten Triggerpunkt beseitigen lässt.
Tinnitus ist ein Symptom mit unterschiedlichen möglichen Ursachen und Einflussfaktoren.
Dazu gehören unter anderem Hörverlust, Lärmbelastung, Erkrankungen des Ohres, bestimmte Medikamente, Stress, Schlafmangel, Schmerzen sowie Beschwerden im Bereich von Kiefer und Halswirbelsäule.
Bei manchen Menschen wirken mehrere dieser Faktoren gleichzeitig zusammen.
Deshalb sind einfache Aussagen wie „Dein Tinnitus kommt nur vom Nacken“ oder „Dieser eine Triggerpunkt ist schuld“ meistens zu pauschal.
Sinnvoller ist ein genauer Blick auf das gesamte Beschwerdebild.
In diesem Artikel erfährst du, wie Muskelspannung und Hörwahrnehmung miteinander verbunden sein können.
Du lernst, woran eine körperliche Mitbeteiligung erkennbar sein kann.
Außerdem erfährst du, welche Untersuchungen sinnvoll sind, welche Behandlungsmöglichkeiten realistisch erscheinen und was du im Alltag vorsichtig selbst ausprobieren kannst.
Bitte zuerst medizinisch abklären lassen
Ein neu aufgetretener Tinnitus sollte grundsätzlich ärztlich untersucht werden.
Bei einem plötzlich auftretenden Ohrgeräusch mit Hörminderung ist eine rasche HNO ärztliche Abklärung besonders wichtig.
Das gilt auch bei starkem Schwindel, neurologischen Beschwerden, heftigen Kopfschmerzen, Ohrenschmerzen oder einem Geräusch im Rhythmus des Herzschlags.
Auch ein dauerhaft einseitiger Tinnitus gehört ärztlich untersucht.
Was ist somatosensorischer Tinnitus?
Somatosensorisch bedeutet, dass Informationen aus Muskeln, Gelenken, Haut und Bindegewebe an der Wahrnehmung beteiligt sind.
Beim somatosensorischen Tinnitus können solche Körpersignale die Verarbeitung des Ohrgeräuschs beeinflussen.
Besonders häufig werden dabei das Kiefergelenk, die Kaumuskulatur, die obere Halswirbelsäule und die Nackenmuskulatur betrachtet.
Das Ohrgeräusch entsteht dabei nicht einfach in einem verspannten Muskel.
Vielmehr können Nervensignale aus Kopf, Kiefer und Nacken auf Bereiche des Nervensystems einwirken, die auch akustische Informationen verarbeiten.
Eine wichtige Rolle wird dabei dem dorsalen Cochleariskern zugeschrieben.
Dieser Bereich befindet sich im Hirnstamm und gehört zu den frühen Verarbeitungsstationen der Hörbahn.
Er erhält nicht ausschließlich Informationen aus dem Ohr.
Auch Körpersignale aus anderen Regionen können dort verarbeitet werden.
Nervenverbindungen aus dem Trigeminussystem und aus Bereichen der Halswirbelsäule treffen auf Netzwerke, die an der Hörverarbeitung beteiligt sind.
Der Trigeminusnerv versorgt große Teile des Gesichts und ist unter anderem an der Wahrnehmung aus dem Kieferbereich beteiligt.
Diese neurologischen Verbindungen können erklären, warum eine Bewegung des Unterkiefers oder eine starke Anspannung der Nackenmuskulatur bei manchen Menschen die Lautstärke oder Tonhöhe des Tinnitus verändert.
Auch die Klangfarbe oder die wahrgenommene Position des Geräuschs kann sich kurzfristig verändern.
Diese Veränderbarkeit wird als Modulierbarkeit bezeichnet.
Eine solche Modulierbarkeit kann auf eine somatosensorische Beteiligung hinweisen.
Sie ist jedoch noch keine sichere Diagnose.
Wichtig für die Einordnung
Auch Menschen ohne deutliche Kiefer oder Nackenbeschwerden können ihren Tinnitus durch bestimmte Bewegungen verändern.
Umgekehrt kann eine ausgeprägte Verspannung bestehen, ohne dass sie das Ohrgeräusch beeinflusst.
Entscheidend ist deshalb das Gesamtbild aus Hörbefund, Beschwerden, zeitlichem Verlauf und körperlicher Untersuchung.
Was sind Triggerpunkte?
Triggerpunkte sind lokal besonders druckempfindliche Bereiche innerhalb eines Muskels.
Sie werden häufig als feste Stellen oder verhärtete Muskelstränge wahrgenommen.
Beim Berühren kann ein örtlich begrenzter Schmerz entstehen.
Manchmal wird der Schmerz nicht nur direkt an der gedrückten Stelle wahrgenommen.
Er kann in eine andere Körperregion ausstrahlen.
Dieses Phänomen wird als übertragener Schmerz bezeichnet.
Ein empfindlicher Bereich im Nacken kann beispielsweise Beschwerden in Richtung Hinterkopf oder Schulter auslösen.
Schmerzhafte Stellen in der Kaumuskulatur können Beschwerden im Gesicht, an den Schläfen oder rund um das Kiefergelenk verursachen.
Im Zusammenhang mit Tinnitus werden besonders häufig folgende Muskeln und Muskelbereiche betrachtet:
- die Kaumuskulatur
- der Schläfenmuskel
- der obere Trapezmuskel
- der Kopfwender an der Halsseite
- die kleinen Muskeln im oberen Nackenbereich
- die Muskulatur rund um Schultergürtel und obere Halswirbelsäule
Der Kopfwender unterstützt unter anderem das Drehen und Neigen des Kopfes.
Der obere Trapezmuskel verbindet Nacken, Schulter und oberen Rücken.
Die Kaumuskulatur wird beim Kauen, Sprechen, Zähnepressen und Zähneknirschen beansprucht.
Gerade bei Stress bleibt diese Muskulatur oft länger angespannt, als es den Betroffenen bewusst ist.
Ein druckempfindlicher Muskelpunkt beweist trotzdem nicht, dass er für den Tinnitus verantwortlich ist.
Druckempfindliche und verspannte Muskeln sind weit verbreitet.
Viele Menschen haben solche Beschwerden, ohne unter Ohrgeräuschen zu leiden.
Erst wenn mehrere Beobachtungen zusammenpassen, wird eine muskuläre Mitbeteiligung wahrscheinlicher.
Welche Rolle spielen Nacken und Halswirbelsäule?
Die Halswirbelsäule muss den Kopf stabilisieren und gleichzeitig eine große Beweglichkeit ermöglichen.
Langes Sitzen, wenig Bewegung, ein ungünstig eingestellter Bildschirm, Schmerzen oder eine dauerhaft starre Kopfhaltung können die umgebende Muskulatur belasten.
Problematisch ist dabei häufig nicht eine einzelne vermeintlich falsche Haltung.
Entscheidender ist, dass der Körper über lange Zeit in derselben Position bleibt.
Die Muskulatur arbeitet dann dauerhaft statisch.
Sie bekommt nur wenige Gelegenheiten, zwischen Anspannung und Entspannung zu wechseln.
Das kann zu Schmerzen, Steifheit und einer erhöhten Druckempfindlichkeit führen.
Bei Menschen mit somatosensorisch beeinflussbarem Tinnitus können solche Belastungen möglicherweise dazu beitragen, dass das Ohrgeräusch vorübergehend auffälliger wird.
Das bedeutet nicht, dass ein verschobener Wirbel oder eine schlechte Haltung automatisch Tinnitus erzeugt.
Solche Erklärungen klingen einfach, werden der komplexen Verarbeitung im Nervensystem aber nicht gerecht.
Eine sinnvollere Frage lautet deshalb:
Verändern Beschwerden, Muskelspannung oder Bewegungsmuster im Nacken bei dir wiederholt und nachvollziehbar die Wahrnehmung des Tinnitus?
Mögliche Hinweise auf eine Beteiligung des Nackens
- Das Ohrgeräusch verändert sich beim Drehen, Neigen oder Strecken des Kopfes.
- Tinnitus und Nackenbeschwerden begannen ungefähr im selben Zeitraum.
- Das Ohrgeräusch wird nach langer Bildschirmarbeit oder langem Autofahren stärker.
- Der Nacken fühlt sich auf derselben Seite besonders angespannt an, auf der auch der Tinnitus stärker wahrgenommen wird.
- Bestimmte Bewegungen lösen neben Nackenschmerzen auch eine kurzfristige Veränderung des Ohrgeräuschs aus.
- Das Ohrgeräusch verändert sich nach gezielter physiotherapeutischer Behandlung oder angepasster Bewegung.
Welche Rolle spielen Kiefer und Zähneknirschen?
Der Kiefer liegt anatomisch unmittelbar vor dem Ohr.
Kiefergelenk, Kaumuskulatur, Gesichtsnerven und Hörsystem befinden sich deshalb in enger räumlicher und neurologischer Nachbarschaft.
Beschwerden des Kausystems werden häufig unter dem Begriff craniomandibuläre Dysfunktion zusammengefasst.
Dabei können Schmerzen, Muskelspannung und Störungen der Kieferbewegung gemeinsam auftreten.
Mögliche Beschwerden sind:
- Schmerzen beim Kauen
- Kieferknacken oder Reiben
- eine eingeschränkte oder asymmetrische Mundöffnung
- morgendliche Kieferschmerzen
- Spannung an Schläfen oder Wangen
- Kopfschmerzen
- nächtliches Zähneknirschen
- unbewusstes Zähnepressen am Tag
Viele Menschen pressen die Zähne zusammen, wenn sie konzentriert, angespannt oder innerlich unter Druck sind.
Dabei kann die Kaumuskulatur über Stunden eine hohe Spannung halten.
Auch im Schlaf kann sie durch Zähneknirschen stark beansprucht werden.
Morgendliche Schmerzen, empfindliche Zähne oder sichtbare Abriebspuren können darauf hinweisen.
Bei einem Teil der Betroffenen verändert sich der Tinnitus beim Öffnen des Mundes, beim Vorschieben des Unterkiefers oder beim festen Zusammenbeißen.
Das kann für eine Beteiligung des Kausystems sprechen.
Es bedeutet aber nicht automatisch, dass eine Mundschiene den Tinnitus beseitigt.
Eine Mundschiene sollte nicht allein aufgrund eines Ohrgeräuschs eingesetzt werden.
Bei nachgewiesenem Zähneknirschen, starkem Zähnepressen oder einer craniomandibulären Dysfunktion kann sie jedoch ein Bestandteil eines umfassenderen Behandlungskonzeptes sein.
Je nach Art der Schiene kann sie die Zähne vor weiterem Abrieb schützen und dabei helfen, Belastungen des Kausystems zu reduzieren.
Ob eine Schiene geeignet ist und welche Ausführung infrage kommt, sollte möglichst zahnmedizinisch beurteilt werden.
Bei nachgewiesenen Funktionsstörungen ist häufig eine Kombination aus Beratung, Verhaltensänderung, Übungen, Physiotherapie und gegebenenfalls einer Mundschiene sinnvoller als eine einzelne Maßnahme.
Mundschienen bei Zähneknirschen und Zähnepressen
TJ Motion bietet verschiedene Mundschienen an, die für Menschen mit Zähneknirschen oder Zähnepressen interessant sein können.
Eine Mundschiene behandelt den Tinnitus nicht direkt.
Sie kann jedoch im Zusammenhang mit belasteten Zähnen, einer angespannten Kaumuskulatur oder nächtlichem Knirschen ein unterstützendes Hilfsmittel sein.
Lass neue, starke oder unklare Kieferbeschwerden vor der Anwendung zahnmedizinisch untersuchen.
TJ Motion Mundschienen ansehenOnlineprogramm „Befreit von CMD“
Wenn bei dir eine craniomandibuläre Dysfunktion, Zähneknirschen, Kieferverspannungen oder wiederkehrende Beschwerden im Kiefer, Kopf und Nacken festgestellt wurden, kann ein strukturiertes Selbsthilfeprogramm eine sinnvolle Ergänzung zur fachlichen Behandlung sein.
Das Onlineprogramm „Befreit von CMD“ von Dr. Torsten Pfitzer enthält rund 60 angeleitete Videos, Übungen aus sieben Kategorien sowie eine Anleitung zur Zusammenstellung eines persönlichen Übungsprogramms.
Zusätzlich umfasst das Programm eine begleitende E-Mail-Serie über mehrere Monate und den Zugang zu einer geschlossenen Austauschgruppe.
Das Programm richtet sich an Menschen, die Übungen lieber Schritt für Schritt und mit klarer Struktur umsetzen möchten.
Wichtig: Das Onlineprogramm ersetzt keine ärztliche, zahnmedizinische oder physiotherapeutische Untersuchung und behandelt Tinnitus nicht direkt.
Onlineprogramm „Befreit von CMD“ ansehenWas sagt die Forschung zu Tinnitus, Verspannungen und Triggerpunkten?
Die Forschung unterstützt die Annahme, dass körperliche Signale aus Kiefer und Nacken bei einem Teil der Betroffenen den Tinnitus beeinflussen können.
Sie zeigt jedoch auch, dass der Zusammenhang komplex ist.
Es gibt nicht den einen Muskel, den einen Triggerpunkt oder die eine Behandlung, die bei allen Menschen gleichermaßen wirkt.
Besonders gut untersucht ist die sogenannte somatische Modulation.
Damit ist gemeint, dass sich das Ohrgeräusch durch Bewegungen oder Muskelanspannung kurzfristig verändert.
Eine solche Veränderbarkeit ist allerdings nicht automatisch gleichbedeutend mit einem behandlungsbedürftigen Problem im Kiefer oder Nacken.
Aussagekräftiger wird der Hinweis, wenn gleichzeitig deutliche Beschwerden des Bewegungsapparates bestehen.
Dazu gehören beispielsweise Kieferschmerzen, eine eingeschränkte Mundöffnung, Nackenschmerzen, Kopfschmerzen oder ein zeitlich enger Zusammenhang zwischen den Beschwerden und dem Tinnitus.
Untersuchungen zu Beschwerden des Kausystems zeigen, dass Tinnitus bei Menschen mit einer craniomandibulären Dysfunktion häufiger vorkommen kann als bei Menschen ohne entsprechende Beschwerden.
Das bedeutet nicht, dass eine Kieferstörung automatisch der Ursprung des Ohrgeräuschs ist.
Es spricht aber dafür, Kiefer und Kaumuskulatur bei passenden Begleitsymptomen in die Untersuchung einzubeziehen.
Auch körperbezogene Behandlungen wurden wissenschaftlich untersucht.
Dazu gehören physiotherapeutische Übungen, manuelle Behandlung, Beratung, Veränderungen von Gewohnheiten und Behandlungen des Kausystems.
Ein Teil der Studien berichtet Verbesserungen der Tinnitusbelastung oder der wahrgenommenen Lautstärke.
Die Ergebnisse sind jedoch nicht in allen Untersuchungen gleich.
Daraus lässt sich ableiten, dass eine gezielte Behandlung sinnvoll sein kann, wenn tatsächlich passende körperliche Beschwerden vorliegen.
Was die Forschung nicht belegt
Es ist nicht belegt, dass jeder chronische Tinnitus durch Verspannungen entsteht.
Es ist auch nicht belegt, dass das kräftige Drücken eines bestimmten Muskelpunktes den Tinnitus zuverlässig beseitigt.
Vorsicht ist deshalb bei Angeboten geboten, die eine schnelle Heilung durch einen einzelnen Griff oder eine einzige Übung versprechen.
Welche Untersuchungen sind sinnvoll?
Auch wenn du einen deutlichen Zusammenhang mit Nacken oder Kiefer vermutest, sollte die Abklärung nicht ausschließlich an der Muskulatur ansetzen.
Tinnitus kann unterschiedliche Ursachen und Einflussfaktoren haben.
Eine strukturierte Untersuchung hilft dabei, wichtige Erkrankungen auszuschließen und sinnvolle Behandlungsschritte auszuwählen.
HNO ärztliche Untersuchung
Am Anfang steht in der Regel eine Untersuchung des Ohres und des Hörvermögens.
Dabei können Gehörgang, Trommelfell, Hörschwelle und mögliche Begleitsymptome beurteilt werden.
Wichtig ist die Frage, ob der Tinnitus einseitig oder beidseitig auftritt.
Ebenso relevant ist, ob er dauerhaft vorhanden ist, schwankt oder im Rhythmus des Herzschlags pulsiert.
Auch der Zeitpunkt des Beginns, eine mögliche Lärmbelastung, Hörprobleme und eingenommene Medikamente gehören zur Vorgeschichte.
Zahnmedizinische Untersuchung
Eine zahnmedizinische oder kieferbezogene Abklärung kann sinnvoll sein, wenn zusätzliche Beschwerden im Kausystem bestehen.
Dazu gehören Kieferknacken, Schmerzen beim Kauen, eine eingeschränkte Mundöffnung oder starke Spannung am Morgen.
Auch sichtbare Abriebspuren an den Zähnen können auf nächtliches Knirschen oder Pressen hinweisen.
Untersucht werden unter anderem die Beweglichkeit des Unterkiefers, die Kaumuskulatur, das Kiefergelenk und die Kontaktverhältnisse der Zähne.
Eine Mundschiene sollte nicht vorsorglich allein wegen des Tinnitus getragen werden.
Sie ist vor allem dann sinnvoll, wenn eine entsprechende Funktionsstörung festgestellt wurde.
Physiotherapeutische Untersuchung
Eine physiotherapeutische Untersuchung kann Muskelspannung, Beweglichkeit, Kraft, Koordination und Belastungsmuster erfassen.
Dabei sollte nicht nur nach einem einzelnen vermeintlich schuldigen Triggerpunkt gesucht werden.
Wichtiger ist die Frage, wie Kiefer, Kopf, Nacken, Schultergürtel und Brustwirbelsäule zusammenarbeiten.
Eine sinnvolle Behandlung orientiert sich an diesen Befunden.
Sie sollte nicht nur darauf abzielen, verspannte Stellen kurzfristig zu lockern.
Langfristig geht es auch darum, Beweglichkeit, Belastbarkeit und Vertrauen in den eigenen Körper zu verbessern.
Welche Behandlung kann helfen?
Es gibt keine einzelne Maßnahme, die bei allen Menschen mit Tinnitus und Verspannungen wirkt.
Die Behandlung sollte sich an den tatsächlich vorhandenen Beschwerden orientieren.
Wenn Nacken, Kiefer oder Muskulatur beteiligt sind, kann ein kombiniertes Vorgehen sinnvoll sein.
Physiotherapie
Physiotherapie kann helfen, Beweglichkeit, Kraft und Belastbarkeit zu verbessern.
Auch Muskelspannung und Schmerzempfindlichkeit können behandelt werden.
Eine wirksame Therapie besteht meist nicht nur aus Massage.
Manuelle Techniken können kurzfristig entlasten.
Langfristig sind aktive Übungen und veränderte Alltagsgewohnheiten oft besonders wichtig.
Behandlung des Kiefers
Bei einer nachgewiesenen Funktionsstörung des Kausystems kann eine gezielte Behandlung sinnvoll sein.
Dazu können Übungen, Verhaltensänderungen, physiotherapeutische Maßnahmen und eine angepasste Mundschiene gehören.
Auch das bewusste Wahrnehmen von Zähnepressen am Tag spielt eine wichtige Rolle.
Viele Menschen bemerken erst nach gezielter Beobachtung, wie häufig ihre Zahnreihen aufeinanderliegen.
In einer entspannten Ruheposition berühren sich die Zähne normalerweise nicht dauerhaft.
Aktive Bewegung
Sanfte Übungen können die Beweglichkeit fördern und der Muskulatur regelmäßige Entlastung ermöglichen.
Das Ziel ist nicht, den Nacken möglichst stark zu dehnen.
Ein lautes Knacken oder ein intensiver Schmerz sind keine Zeichen für eine besonders wirksame Übung.
Bewegungen sollten langsam, kontrolliert und schmerzfrei erfolgen.
Passend dazu
Tinnitus: Massage, Dehnen und Übungen bei Kiefer und Nackenverspannungen
In diesem Artikel findest du konkrete, sanfte Möglichkeiten für Kiefer, Nacken und Schulterbereich sowie wichtige Hinweise zur sicheren Anwendung.
Artikel lesenSinnvolle Hilfsmittel bei verspannter Muskulatur
Hilfsmittel können eine fachlich abgestimmte Behandlung unterstützen.
Sie sind nicht notwendig, um Fortschritte zu erzielen.
Ein Produkt sollte niemals mit dem Versprechen gekauft werden, den Tinnitus zu heilen.
Kork Massageball
Ein fester Massageball kann für die dosierte Selbstmassage an Schulter, oberem Rücken oder anderen gut zugänglichen Muskelbereichen verwendet werden.
Kork Massagebälle ansehenDoppel Massageball
Die längliche Form kann sich für Muskelbereiche rechts und links neben der Wirbelsäule eignen.
Doppel Massagebälle ansehenWärmekissen für Nacken und Schultern
Ein körpernahes Wärmekissen kann bei verspannter Muskulatur angenehm sein.
Wärmekissen ansehenHäufige Fragen zu Tinnitus, Verspannungen und Triggerpunkten
Kann Tinnitus wirklich vom Nacken kommen?
Nackenbeschwerden können bei einem Teil der Betroffenen die Wahrnehmung des Tinnitus beeinflussen.
Kann Zähneknirschen Tinnitus verstärken?
Nächtliches Zähneknirschen und unbewusstes Pressen können die Kaumuskulatur und das Kiefergelenk stark belasten.
Bei Menschen mit einer somatosensorischen Beteiligung kann sich dadurch auch die Wahrnehmung des Tinnitus verändern.
Kann eine TJ Motion Mundschiene bei Tinnitus helfen?
Eine TJ Motion Mundschiene ist keine Behandlung gegen Tinnitus.
Bei Zähneknirschen oder Zähnepressen kann eine geeignete Mundschiene jedoch die Zähne schützen und das Kausystem entlasten.
Ob eine Schiene für deine Beschwerden geeignet ist, sollte möglichst zahnmedizinisch beurteilt werden.
Wann muss ich mit Tinnitus zum Arzt?
Ein neu aufgetretener Tinnitus sollte medizinisch untersucht werden.
Bei plötzlicher Hörminderung, starkem Schwindel, neurologischen Auffälligkeiten, heftigen Schmerzen oder einem pulssynchronen Geräusch ist eine rasche Abklärung wichtig.
Fazit: Verspannungen können Tinnitus beeinflussen, sind aber selten die ganze Erklärung
Nacken, Kiefer, Halswirbelsäule und Hörsystem sind über komplexe Nervenverbindungen miteinander verknüpft.
Deshalb ist es möglich, dass Muskelspannung, Kieferbeschwerden oder bestimmte Bewegungen die Wahrnehmung eines Tinnitus verändern.
Besonders wahrscheinlich ist eine körperliche Mitbeteiligung, wenn sich das Ohrgeräusch durch Kopf oder Kieferbewegungen verändern lässt und gleichzeitig deutliche Beschwerden in diesen Bereichen bestehen.
Ein empfindlicher Triggerpunkt allein beweist jedoch keine Ursache.
Der sinnvollste Weg beginnt mit einer HNO ärztlichen Untersuchung.
Bei passenden Beschwerden können anschließend Zahnmedizin und Physiotherapie einbezogen werden.
Aktive Bewegung, ein bewusster Umgang mit Kieferspannung, regelmäßige Positionswechsel, Stressregulation und eine vorsichtige Selbstmassage können die Behandlung ergänzen.
Auch wenn das Ohrgeräusch nicht vollständig verschwindet, können weniger Schmerzen, besserer Schlaf, mehr Beweglichkeit und eine geringere innere Alarmbereitschaft den Alltag deutlich erleichtern.
Medizinischer Hinweis:
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information.
Er ersetzt keine ärztliche Diagnose, Beratung oder Behandlung.
Dieser Artikel enthält Affiliate und Partnerlinks.
Wenn du über einen solchen Link etwas kaufst, erhalte ich möglicherweise eine kleine Provision.
Für dich entstehen dadurch keine zusätzlichen Kosten.







Pingback: Tinnitus: Nahrungsergänzung - body-soul-power.de